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Hindelang und die Großmutter
„Ein hohes Lied der Liebe und Verehrung für das Allgäu und eine seiner Frauen hat kein Geringerer gesungen als der weltgereiste und weltberühmte Archäologe und Kunsthistoriker Dr. Ludwig Curtius in Rom in seinem jüngst erschienenen Werk ‚Deutsche und antike Welt‛, worin das erste Kapitel die Überschrift trägt ‚Hindelang und die Großmutter‛.“ Dieses Zitat stammt aus einem Essay von Toni Gaßner-Wechs (1900 1956), den sie zur Erstveröffentlichung von Curtius Werk im Jahr 1950 verfasste. Sie traf Curtius im selben Jahr in Rom. Ihr Essay ist dem neuesten „Hindelanger Heft“ des Ursus Verlags vorangestellt, in dem eine Episode aus dem Leben von Mathilde Göhl, der Großmutter und Wirtin des Gasthofs und Brauerei „Adler“ in Hindelang erzählt wird. Mathilde Göhls Enkel Ludwig Curtius wurde 1874 in Augsburg als Sohn eines Arztes und dessen Gattin, der aus Hindelang stammenden Therese Göhl, geboren. Der Philosoph und Archäologe Dr. Curtius, zeitweise Privatlehrer des späteren Dirigenten Wilhelm Furtwängler, stellte seinem 1950 erschienenen Buch „Deutsche und Antike Welt“ als erstes Kapitel (!) seine Jugenderinnerungen in Hindelang voran. Curtius hat jene Zeit und ihre Menschen derart anschaulich geschildert, dass man von beiden noch heute Spuren und Nachkommen findet, wie auch viele seiner geschilderten Plätze in der Landschaft, manche Läden und Häuser noch heute wiederzuerkennen sind. Und ebenfalls heute noch trägt das Gasthaus „Adlerpost“ das Wirtshausschild mit dem Doppeladler und einen Hinweis, dass hier die bayerischen Königlichen Hoheiten einst genächtigt haben. Und auch die Reste der Luchsköpfe am ehemaligen Jagdhaus des Vetters Agerer in der Marktstraße fristen nach wie vor ihr trauriges Dasein. „Hindelang und die Großmutter“ ist eine fein beobachtete mitunter auch kritische - Erinnerung an eine Zeit des bürgerlichen Friedens und Wohlstands, vor allem jedoch eine bravouröse Hommage an das Ostrachtal und seine Bürger.
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