"Junge Lyriker wollen gern ins Gefängnis." 
Wie der Verlag entstand. 


So lautete die Schlagzeile in einem Artikel der "Ruhrnachrichten" vom 22. März 1969. Damit fing mein Leben als Kleinverleger an. Was war geschehen? Sieben junge Leute zwischen 18 und 21 Jahren, die zum größten Teil noch das Gymnasium besuchten, hatten ihren ersten, kleinen Gedichtband "Frühwerk Nr.1" herausgegeben. 1969 war Krieg in Vietnam. Zitat aus dem Zeitungsartikel: "Sie kämpfen gegen den Krieg, setzen sich mit dem Sinn des Lebens und dem Gedanken an Gott auseinander. ….Besonders gern würden sie ihre Gedichte einmal in der Jugend-Strafanstalt vorlesen." Das war's mit dem Gefängnis. Aus den Arbeiten dieser Gruppe junger Autoren entstand der dann von mir gegründete Verlag "junge presse d" (JPD). Neben den Texten der Gruppe wurden Arbeiten von Fotografen und Grafikern veröffentlicht. Die Auflagen der Literaturzeitschriften und ersten schmalen Bände betrugen 300 bis 500 Exemplare. 

Am 27. Februar 1971 veranstaltete die JPD in Dortmund ein erstes Treffen der Alternativpresse, wie sich die Kleinverleger damals auch nannten. Rund 60 Verlage waren an diesem Treffen zusammen gekommen, um gemeinsame Erfahrungen auszutauschen. Eine Umfrage unter diesen Verlagen ergab, dass die durchschnittliche Auflagenhöhe von Publikationen der Kleinverlage bei 650 Exemplaren lag. Die Adressenkarteien enthielten im Durchschnitt 350 Adressen. Rund 80% der Auflage ging direkt an die Leser, über den Buchhandel wurde lediglich 1% der Auflage vertrieben. In meinem Verlag in Dortmund erschienen sieben Publikationen, darunter "The Yellow Book", eine Veröffentlichung mit Artikeln und Thesen zur Alternativpresse.

Aus beruflichen Gründen zog ich 1972 nach Karlsruhe um, wo dann in kurzer Folge drei Bände der Autoren Ulrich Zimmermann, Manfred Hausin und J.P.Stössel erschienen. Alle drei Autoren haben inzwischen in "etablierten" Verlagen Bücher veröffentlicht. Nach einem weiteren Umzug nach Stuttgart erschien dort der vorerst letzte Band des Verlags: ein "Antworthappening" auf Wolf Vostells spektakuläre Salataktion im Zug zwischen Aachen und Köln, an der inzwischen arrivierte Autoren wie Manfred Ach, Landfried Schröpfer, Hans-Jürgen Bulkowski, Horst Tress oder Hans Imhoff teilnahmen.

Aus beruflichen Gründen - erst Abteilungsleiter in Buchhandlungen, später Geschäftsleiter in Großbuchhandlungen - und dem damit verbundenen Zeitmangel musste ich meine verlegerische Tätigkeit vorerst aufgeben.