"Lauter kleine Bertelsmänner"


Es gibt die Verlags-Giganten: Verlage, die mit ihrer Buchproduktion richtig Geld verdienen. Das ist ihr gutes Recht. Über die Art, wie sie es tun, lässt sich trefflich streiten. Einer dieser Großverlage ist der Bertelsmann-Konzern (heute Random-House). 

Ich bin seit gut 30 Jahren Buchhändler und war u.a. Geschäftsleiter in einem "Buchkauf-haus", das seinerzeit zu einer der größten Buchhandlungen in Deutschland zählte. Aus dieser Erfahrung heraus stelle ich einfach fest, dass Bücher im Grunde genommen ein eben solches Verkaufprodukt sind wie Waschmittel. Das mag ein wenig zynisch klingen - aber genauso werden Bücher (heute) produziert, beworben und verkauft.

Dabei bleiben die Autoren, die sich noch keinen Namen erschrieben haben, auf der Strecke. Sie zu veröffentlichen, traut sich kaum ein großer Verlag. Es gab jedoch immer schon kleinere Verlage, die den Mut aufbrachten, auch die noch nicht oder weniger bekannten Autoren zu verlegen. Nach dem 2. Weltkrieg entstanden zahlreiche neue Kleinverlage. Besonders die 68er-Jahre erlebten einen Boom von Kleinverlagen. Anlass dafür war, dass neben der schöngeistigen Literatur eine gewaltige Menge politischer Literatur verlegt wurde. Diese poltisch links orientierten Verlage propagierten den Spruch, "Schafft viele kleine Bertelsmänner". Was nichts anderes bedeutet, als die Produktion von Büchern, die bei den großen Verlagen abgelehnt wurden, selber in die Hand zu nehmen.